Traveller´s World (dt.- Lifestylemagazine)
CUP Stadt
Valencia hat sich fein gemacht. Und bietet zum America´s Cup keineswegs nur Segelsport: Die berühmte Altstadt und der neue Hafen sind ein ideales Revier zum schlendern, shoppen und schlemmen.
Rita Barbera, Bürgermeisterin von Valencia, fiel ihren Mitstreitern im Rathaus um den Hals, als „ihre Stadt“ 2003 den Zuschlag für die Austragung des 32.America´s Cup erhielt. Setzte Sie doch darauf, dass der Wettstreit um die begehrteste und älteste Segeltrophäe der Welt, das internationale Interesse für Valencia wecken würde. Und die Stadt hat sich herausgeputzt: Flughafen und Metro wurden runderneuert und der alte Hafen musste dem neuen „America´s Cup Port“ weichen.
Bevor die großen Pläne Valencia ins Blickfeld der Segelfreunde aus aller Welt rückte, hatte die Stadt, deren Zentrum gute sechs Kilometer vom Meer entfernt liegt, kein ungetrübtes Verhältnis zu ihrem Hafen. Wo noch vor zweieinhalb Jahren die Valencianer unter denkmalgeschützten Tinglados, den alten Hafenhallen, angelten, ragen heute die farbebnfrohen Base-Camps der 12 Teams des America´s Cup in den Himmel und werden nur von den 30 Meter-Masten ihrer Rennyachten übertrumpft.
Einzig das extravagante Hauptgebäude „Veles e Vents“ mit den schwebenden Terrassen zieht mehr Blicke an. Das preisverdächtige Architektur-Kunstwerk von David Chipperfield und Fermin Vazquez ist das architektonische Wahrzeichen des America´s Cup. Die beiden Architekten wollten einen Bereich schaffen, wo „die Leute sich treffen können, die Regatten beobachten und einfach die Atmosphäre des America´s Cup genießen.“ In einem der 22 Restaurants und Bars in und um das Gebäude sind Segelstars wie Jochen Schümann am Nachbartisch keine Seltenheit. Fast auf Tuchfühlung kann man den Seglern auch bei einem Rundgang um den Hafen kommen, wenn sie mit ihren Fahrrädern, dem beliebtesten Transportmittel Valencia´s, zur Arbeit fahren.
United Internet Team Germany, das erste deutsche Team, das jemals bei einem America´s Cup an den Start ging, gewährt auch freie Einblicke in das tägliche Treiben, wie Boot kranen, laden und Segel packen, über den flachen Zaun seines Basegeländes an der Südseite des Hafens. Den Abschluss dieser kreativen „Denk- und Produktionsstätten“ bildet das Camp des chinesischen Teams, erkennbar am roten Drachen, auf dessen Dach, die einzige öffentliche Bar „Dragon“ einer Team-base zu finden ist. Der America´s Cup Park schlängelt sich bis zur neuen Süd-Marina und mit dem richtigen Timing (ca.11:00 – 12:00 Uhr) lassen sich hier die auslaufenden Rennyachten aus nächster Nähe betrachten. Mit dem Wassertaxi überquert man den Kanal, um entlang der ebenfalls neuen Nord-Marina, vorbei an den Cuppern der letzten Generation, zum Veles e Vent zurückzukehren und sich bei einer verdienten „Cerveza“ in der Estrella-Bar unter die zahlreichen Segler, Promis, Touristen und Valencianos zu mischen.
Der America´s Cup, die „Kanne“, wie sie die Segler nennen, ist nicht nur die älteste Sporttrophäe der Neuzeit, sondern auch die prestigeträchtigste und teuerste Regatta der Welt, sozusagen die Formel I des Segelsports. Beim America´s Cup geht es nicht darum, dabei zu sein: Hier zählt nur der Sieg. Seine Anfänge verdankt der Cup dem amerikanischen Geschäftsmann John Cox Stevens. Der forderte 1851 in London, auf der ersten Weltausstellung der Geschichte, die englische Flotte heraus. Stevens´ „America“, ein 30 Meter langer Schoner, trat allein gegen 15 englische Yachten an. Im Ziel lag sie so weit vor den anderen, dass Queen Viktoria besorgt nach dem Zweiten fragte. Doch es war keiner in Sicht: „There is no second, mylady“ ließ man sie wissen. Stevens stiftete seinen Preis, einen silbernen Pokal, in der Folge als America´s Cup: 132 Jahre lang verteidigten ihn die Amerikaner gegen alle Herausforderer. 2003 holte das Schweizer Team „Alinghi“ den Cup erstmals nach Europa, in Valencia verteidigt das Team seinen Titel.
Bis July, in der besten Reisezeit Valencias, wird beim Louis Vuitton Cup in einer spannenden Qualifikationsrunde DAS Team ermittelt, das schließlich den Verteidiger herausfordert. Hautnah erleben, zu Lande und zu Wasser, können die Zuschauer das Ganze natürlich auch: Gute Aussichten auf das Spektakel hat man vom Strand, besser hören kann man das Brausen der gigantischen Cupper von den nah heranfahrenden Zuschauerbooten und am besten verstehen lässt sich das Ganze vor den diversen Großbildleinwänden im „America´s Cup Park“, wo die Lifeübertragungen von Stars der Szene kommentiert werden. Rund um die Regatten ist hier ohnehin der Teufel los: Mindestens 10 Stunden am Tag werden Shows und jede Menge Unterhaltung geboten, wer mag kann ausprobieren wie man auf den Rennyachten an den Winschen kurbelt oder seine Seetauglichkeit mit dem Segelsimulator der „Alinghi“ testen.
Natürlich spielt sich zum Cup vieles, aber nicht alles rund um den Sporthafen ab. Valencia, die drittgrößte Metropole Spaniens, ist über 2000 Jahre alt und hat auch kulturell viel zu bieten: Star-Architekt Santiago Calatrava hat die avantgardistische „Stadt der Künste und Wissenschaften“, das Wahrzeichen des modernen Valencias, gebaut. Hier finden sich das „Hemisferic“, ein IMAX-Kino, und ein Wissenschaftsmuseum sowie das „Oceanografico“ mit schier endlosen Unterwassertunneln und Aquarien, groß genug für Haie und Beluga-Wale. Zuletzt wurde der 250 Millionen Euro teure Kulturpalast „Palau de les Arts“ fertig. Zum Jahr des America´s Cup wartet hier das hochkarätig besetzte Opernensemble mit anspruchsvollen Inszenierungen auf.
Im historischen Zentrum mit dem Mercado Central, der alten Seidenbörse La Lonja (Unesco-Weltkulturerbe) und der Kathedrale an der Plaza de la Reina schlägt das Herz der Stadt. Auf der anderen Seite des Platzes, in der Horchateria Santa Catalina oder Horchateria El Sigle, muss man unbedingt das traditionelle Getränk Valencias probieren, die Horchata, eine kühle, süße Mandelmilch.
Und ein Streifzug durch das alte Viertel El Carmé mit seinen unzähligen Bürgerhäusern, Museen, Kunst- und Antiquitätengeschäften, mit Restaurants und Bars in romantischen, engen Gassen lohnt sich auch am Abend.
Valencias Küche ist übrigens eine Entdeckung wert: Wer Lust auf Tapas verspürt, der sollte sich die Leckereien in der „Bodega Montana“ und im „Sagardi“ im Zentrum nicht entgehen lassen. Auch wer anspruchsvolle Gourmet-Küche sucht, wird fündig: Über vier Restaurants der Stadt leuchten inzwischen Michelin-Sterne („Ca Sento“, „La Sucursal“, „Torrijos“ und „Alejandro“). Vor allem „La Sucursal“ gilt als Top-Adresse, nicht zuletzt wegen der Weine, die Somelière Manuela Romeralo kundig präsentiert. Im Port America hat sich „Mar de Bamboo“ mit leichter mediterraner Küche einen Namen gemacht.
Gefährlich wird dieser Sommer in Valencia zwar nicht, aber er wird spannend: Der Kampf um den America´s Cup ist schließlich eines der wichtigsten Sport-Events des Jahres. Und er ist ein Grund mehr, nach Valencia zu kommen. Denn die Chance, die Formel I der Meere in Europa zu erleben, bietet sich auf absehbare Zeit kein zweites Mal. So gilt eben auch dafür, was man einst schon zu Queen Victoria sagte: „There is no second, mylady.“
Tips:
Informationen:
Tourist Info Valencia Reina
Plaza de la Reina 19
www.turisvalencia.es
America´s Cup Park
www.americascup.com – services@americascup.com
www.portamericascup.com (Reservierung von Bootsliegeplätzen in Nord- und Süd-Marina)
Der America´s Cup Park zieht sich um den gesamten Hafen (6 km Länge) mit den 12 Bases der teilnehmenden Teams, vom Nordkai des neuen Kanales mit der Nord-Marina (150 Bootsliegeplätze), wo auch die gesamte Flotte des America´s Cup Management liegt, um die Darsena (altes Hafenbecken) mit dem T-Dock der SuperYacht-Marina und den Tinglados bis hin zum Südpark, dessen Abschluss die neue Süd-Marina (500 Bootsliegeplätze) bildet. Auf dem Gelände sind neben 22 Restaurants und Bars zahlreiche Attraktionen zum America´s Cup, House of America´s Cup (Museum zur Geschichte, 10:00 -21:00), „There is no second“ (Ausstellung von Modell-Booten aller bisherigen Sieger, 10:00 – 21:00) zu finden und diverse Möglichkeiten auch selbst aktiv zu werden, wie am Grinder oder dem Simulator von ALINGHI. Diese maritime Flaniermeile MUSS man gesehen haben.
Zuschauerboote
www.americascup.com
Unter Tinglado N° 2 und vor dem Veles e Vent legen täglich die diversen Zuschauerboote und –Katamarane ab. Reservierungen im America´s Cup Port (+34 963 542 007) oder El Corte Inglés (+34 902 400 222). Abfahrtszeiten variabel nach Regattastart, i.d.R 11:00 zum ersten Start (geplant 14:00, abhängig vom Wind).
Anfahrt: Taxi zum Puerto de America´s Cup, Metro, EMT Buslinien 1,2,3,4,19 und 32, Tram 4.
Beste Sicht: Strände Las Arenas und Malvarrosa, Zuschauerboote, Life-Übertragungen auf Großbildleinwänden im America´s Cup Park
Hotels:
Las Arenas Balneario Resort ( ***** )
Calle Eugenia Vines, 22-24 ; Valencia 46011
www.valencialasarenashotel.com
Das Las Arenas Balneario Resort liegt direkt am gleichnamigen Strand und ist auf dem alten Badehaus von Valencia aufgebaut. Es wurde erst in 2006 neu eröffnet und wird gerne vom amerikanischen Team BMW ORACLE Racing für seine Gäste genutzt. Die Zimmer zum Meer haben alle Balkon mit direktem Blick auf die Regattastrecke und die Grünanlage vor dem Haus ist ein Ort der Ruhe, bevor man über die Promenade zum Strand kommt. Die griechischen Tempel, die das Areal links und rechts abschliessen, sind den historischen Bauten nachempfunden und beherbergen Veranstaltungs- und Tagungsräume. Ein idealer Ort für Kongresse, Konferenzen, ein Wochenende mit Spa-Erholung oder für den Besuch des America´s Cup.
Hotel Neptuno ( **** )
Paseo de Neptuno, 2-4 ; Valencia 46011
www.hotelneptunovalencia.com
Das Neptuno liegt ebenfalls am Las Arenas Strand, gleich neben dem Eingang zum America´s Cup Park. Von der Dachterasse mit Panoramasicht kann man die Regattastrecke genauso überblicken wie den Kanal und das Veles e Vents. VIP-Gäste der Teams werden hier wegen der Nähe zum Geschehen gerne untergebracht. Reservierung zwingend, da das kleine, sehr gut ausgestattete Hotel mit dem freundlichen Service schnell ausgebucht ist.
The WESTIN Valencia (*****)
Amadeo de Saboya, 16 ; Valencia 46010
www.starwoodhotels.com/westin/valencia
Dieses erst kürzlich eröffnete Hotel der WESTIN – Kette ist eine kleine Perle in Valencia´s Hotellandschaft. Das historische Gebäude einer alten Wollfabrik wurde aufwendig mit viel Gefühl fürs Detail restauriert und in eine Oase der Ruhe und Erholung umgewandelt. Der Innenhof ist ein Blumenpark, in dem man der Hektik der Großstadt ideal entfliehen kann. Der Weg zum Hafen ist zwar etwas weiter (ca.4 km), dafür ist der Turia-Park und die Altstadt um so näher. Ebenso überzeugt der Service des Hauses.
Restaurants:
Casa Montana ( Bodega Montana)
Calle José Benlliure, 69 ; Valencia 46011
www.emilianobodega.com
Das Casa Montana ist eine uralte typisch spanische Bodega im alten Fischerdorf El Cabanyal (Stadtviertel nahe dem Hafen), dass auch für seinen Fischmarkt bekannt ist. Weine aus der Region werden hier zu den klassischen Tapas genauso angeboten wie Rioja und andalusische Spezialtäten. Die urige Atmosphäre zwischen den mächtigen Weinfässern geniessen nicht nur die Einheimischen, Mitglieder aller Segel-teams sind hier regelmäßig anzutreffen.
Sagardi - Euskal Taberna
San Vicente Mártir, 6 ; Valencia 46002 ; +34 96 391 06 68
reservas@sagardi.com
Das Sagardi im Zentrum von Valencia zwischen Plaza de la Reina und Plaza de Ajuntamiento bietet neben den verlockenden „pinchos“ an der Theke im Obergeschoss auch ein vorzügliches Speiserestaurant. „Pinchos“, bunte Häppchen auf Weissbrot die nach den Holzstäbchen auf dem Teller berechnet werden, sind ein idealer Snack zu Cerveza oder Cidre, um sich während eines Stadtrundganges zu stärken, auch außerhalb der typisch spanischen Essenszeiten von 14:00 – 16:00 Lunch und 21:00 -24:00 Dinner.
Bars:
Estrella Damm Lounge
America´s Cup Port ; Valencia 46011
Die „Estrella Bar“ war in 2006 DER TREFFPUNKT im America´s Cup Port direkt vor dem Veles e Vent und öffnet in 2007 in „neuem Outfit“ die Tore. Ihre Lage an der Ausfahrt des Kanales, das gemischte Publikum inkl.“Rock-Stars“ der Szene, das Outdoor-Ambiente und die gute Musik machen die Estrella-Bar zu einem „MUSS“.
Shoppen:
Mercado de Colon
Cirilo Amorós, Ecke Jorge Juan; Valencia
Der Mercado Colon im Viertel L´Eixampla, eine denkmalgeschützte und sehr schön restaurierte Markthalle mit vielen einladenden Cafes, Shops und Restaurants und der besten Trinkschokolade Valencia´s, ist ein idealer Ausgangspunkt für einen luxeriösen Einkaufsbummel in den umliegenden Gassen und Strassen. Hier ist der spanische Designer Alex Vidal (Calle Sorni 6) ebenso zu finden wie die Schuhe von Beguer (Calle Hernán Cortés 16). Allg.Öffnungszeiten: 09:00 / 10:00 – 14:00 und 16:00 – 20:00 /22:00
Anreise nach Valencia:
Flug: internationaler Flughafen Manises mit zahlreichen Direktverbindungen in Europa, auch Billigflieger (www.aena.es)
Auto: über Autobahn von Barcelona und Alicante (mautpflichtig) oder Madrid (A3, mautfrei).
Schiff: Fährverbindungen auf die Balearen und an die Nord- und Südspanische Küste.
Bahn: Hauptbahnhof, Direktverbindungen nach Barcelona und Madrid über Renfe (span.Bahnunternehmen)
Verkehrsmittel in Valencia:
Mit dem sehr gut ausgebauten Busnetz kann man günstig überall hingelangen.
Metro nur entlang der Hauptachsen der Stadt, wird noch ausgebaut.
Taxis verhältnismäßig günstig, insbesondere Nachts das einzige öffentliche Verkehrsmittel.
Copyright Text Heike Schwab – Traveller´s World – April 2007



