Heike Schwab   |   Freelancer Photografie & Journalismus

Neue Züricher Zeitung - NZZ (Schweizer Tageszeitung - bundesweit)

Der kleine America´s Cup im Mittelmeer

TP52 – eine Bootsklasse aus den USA begeistert Segler und Zuschauer

Juan Carlos I. de Borbón, König von Spanien, setzt sich ganz entspannt auf die hohe Kante der Bribón, eines der ersten TP52-Boote, die in Palma de Mallorca zur Copa del Rey am eigenen MedCup-Steg liegen und dessen Skipper seine Majestät ist. Gut gelaunt winkt er, für die zahlreichen Fotografen, die sich an der Sicherheitsabsperrung um die vorderen Plätze drängeln, seinem Sohn Felipe von Spanien zu, der nur wenige Boote weiter auf der CAM sein Team begrüßt. Und auch Infantin Elena de Borbón, Tochter von Juan Carlos, segelt an Bord der Siemens, mit Taktiker Paul Cayard in der hier 22 Boote starken Flotte mit. Der sogenannte TP52 Med-Cup-Circuit zieht jedoch nicht nur königliches Blut an, er ist derzeit die weltweit größte Flotten-Regatta und Magnet für Berufssegler, hochqualifizierte Amateursegler und Eigner sowie Sponsoren.

Schnelle und aufregende Boote
2004 haben Nacho Postigo und Ignacio Triay die Klasse aus den USA nach Europa geholt und König Juan Carlos, leidenschaftlicher Segler von klein auf, dafür begeistert. Dank seiner Unterstützung konnten die TP52 schon in 2005 mit einer kleinen Flotte aus 11 Booten starten, die in 2006 bereits auf 21 Boote aus 11 Nationen herangewachsen war und in 2007 sogar 24 Boote aus 13 Nationen zählt. Ignacio Triay, Director der Med-Cup-Serie, sagt nicht ohne Stolz „es war einfach Zeit für etwas Neues“. Die allgemeine Müdigkeit über Handicap- und Bewertungsregeln, wie bei den IMS, hat sicher auch zum überwältigenden Erfolg dieser Klasse beigetragen. Grundsätzlich basiert die Begeisterung aber wohl mehr auf den großen, schnellen und aufregenden Booten, die die „Creme de la Creme“ der Segelwelt, wie es Michael Illbruck in 2006 formuliert, anlocken. Die Hightech-Yachten, die nach den engen Vorgaben einer Box-rule designt werden müssen, sind zwar 52 Fuss lang, aber „sie segeln sich wie ein Dinghy“ bestätigt Harm Müller-Spreer, Eigner der deutschen Platoon und jahrelanger Top-Segler im Drachen. Die Carbonboote, die ihren Namen (TP52) der ursprünglichen Regatta der Klasse, der Transpac nach Hawaii, verdanken, sind moderne, leichte und wendige Boote, die wegen der Box-rule sehr ähnliche Segeleigenschaften aufweisen und dadurch Talent und Teamwork der 14-köpfigen Crew über den Erfolg entscheiden. Am Wind sind sie erstaunlich schnell und auch vor dem Wind sind 20 Knoten keine Seltenheit. Die Eigner lieben es gegen die Besten der Welt des Segelsports anzutreten und auch eine reelle Chance auf einen Sieg zu haben. Nicht jeder bekommt die Chance einen Dean Barker, in 2006 Steuermann der amerikanischen Warpath, zu besiegen.

Auch Coutts segelt die TP52
In der Tat liegt die Flotte bei den Regatten eng beieinander und schon weit vor der ersten Wendemarke müssen sich die Taktiker gut überlegen, wie sie die Mauer der Boote, die auf die Bojen zukommt, durchbrechen, umsegeln oder überholen können. Gute, schnelle und fehlerlose Manöver sind der Schlüssel, um am Ende der Regatta als erster die Ziellinie zu kreuzen. Heute noch vorn, kann ein kleiner Fehler schon morgen Schlusslicht bedeuten. Erst die Beständigkeit über den ganzen Circuit, 5 Events in 2007 – Alicante / Spanien, Breitling Regatta-Puerto Portal/Mallorca, Copa del Rey/Mallorca, Portimao/Portugal, Hyères/Frankreich, kürt das wahre Siegerteam. Auch Russell Coutts, in 2006 auf Lexus, und diese Saison Taktiker der Artemis mit Eigner Torben Tornqvist (Schweden) vom Genfer See an der Pinne, erläutert: „Bei den TP52´s macht es das Teamwork aus und das Set-up. Die Teams, die schon länger zusammen trainieren, und ihre Boote gut kennen, sind hier auch erfolgreich.“ Auch die Pinne ist bei den TP52´s erfolgreich, sie wird bereits auf 8 Booten zum Steuern genutzt. Und obwohl die TP52 im Grunde einfach zu segeln ist, ist es schwer, die letzten kleinen Prozente aus dem Boot herauszuholen, um sich vom Feld abzuheben. Und gerade die hohen Anforderungen an die Segler machen den Grand Prix so interessant für die Profi-Szene, die sich hier in einem angenehmen Umfeld messen können, hart auf dem Wasser, aber an Land entspannt und kollegial. Die Kombination aus Leeward/Windward und Offshore-Race, Bestandteil jedes Events, stellt für die Profis ebenso eine reizvolle Mischung dar. Kein Wunder, dass der „halbe“ America´s Cup im TP52 MedCup Circuit wieder anzutreffen ist, die gleichen Namen, Christian Scherrer „Blumi“, Jochen Schümann, Vasco Vascotto, Terry Hutchinson, Ian Walker, John Kostecki, Gavin Brady, die gleichen Gesichter, Segeln auf höchsten Niveau. Schon fast ein kleiner America´s Cup im Mittelmeer, mit weniger Materialaufwand und Finanzinvestitionen, aber den gleichen personellen Anforderungen wie der „große Bruder“.

Keine Geheimnistuerei wie im AC
Weil die Boote dicht an dicht ganz offen am Steg liegen, ist die TP52 eine Klasse zum Anfassen. Die Segel werden ohne Geheimnisse bei den Booten gepackt, die Mannschaftsbesprechung findet im Cockpit statt, wer lauschen will, kann es tun. Und beim abendlichen Zusammentreffen an der Bar muss Pepe sich mit einem Grinsen anhören, was Mike heute ganz anders gemacht hätte. Sport und Spaß, darauf kommt es beim TP52-Segeln an. Eine Klasse von Eignern für Eigner gemacht; die Klassenregeln werden in regelmäßigen Meetings der Eigner beschlossen. Zuschauer gibt es beim Med-Cup reichlich, an Land und auf dem Wasser. Die Regeln sind einfach: Wer zuerst die Ziellinie kreuzt, hat gewonnen. Die gigantische Flotte ist ein beeindruckender Augenschmaus; die Aktionen bei den Manövern sind leidenschaftlich, energisch und professionell. In diesem Jahr finden noch zwei Anlässe statt: die Trophy of Portugal in Portimao vom 20. – 25.August und die Hyères Trophy in Frankreich vom 10. – 15.September. Eine Woche später geht in Porto Cervo mit der Rolex-TP52-Championship der Saisonhöhepunkt über die Bühne.

Copyright Text / Fotos Heike Schwab – Neue Züricher Zeitung (NZZ) – Yachting – 21.August 2007

 
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