NZZ - 'Z' (Sonderbeilage NZZ - 2 monatl.)
Swan Club 42 – founded by New York Yacht Club
Wenn im Juni das schweizer Team ALINGHI den America´s Cup in Valencia verteidigen wird, ist die weltberühmte „Kanne“ einmal mehr in aller Munde. Was nicht jeder weiss, der Ursprung dieser Trophäe hängt unmittelbar mit der Gründung des berühmten New York Yacht Clubs im July 1844 zusammen. John Cox Stevens, Promoter von Dampfschiffen und Eisenbahn sowie leidenschaftlicher Segler und Sportsmann, hatte seinerzeit 8 gleichgesinnte Yachtführer an Bord seines neuen Schiffes Gimcrack im Hafen von Manhattan Island geladen und die kleine Runde gründete einen Club aus New Yorker Geschäftsleuten und Residents, mit dem klaren Ziel und Zweck Segel-Regatten im Stadthafen und Cruisingfahrten entlang der Ost-Küste zu organisieren. 1851 war es die Yacht AMERICA von J.C. Stevens, die den damaligen 100 Guinea Cup (Preisgeld 100 Guinea) um die Isle of Wight vor England, inklusive der silbernen Trophäe „ The Royal Yacht Squadron £100 Cup“, gewann, dem berühmten America´s Cup zu Ehren des Siegerbootes seinen Namen verlieh und bis 1983 die wichtigste Regatta des New York Yacht Clubs war, bevor der Cup nach Australien ging.
Und auch heute, über 160 Jahre später, verfolgt der geschichtsträchtige New York Yacht Club noch seine ursprünglichen Ziele unter Respekt der traditionellen Werte ohne die Trends der Zeit zu vernachlässigen. Immer noch steht Yacht Racing und Team/Match Racing mit zahlreichen Events im Jahr im Mittelpunkt der Clubaktivitäten, die mehr und mehr mit Cruising-Expeditionen, z.B. in die Antarktik oder zu den Galapagos, ergänzt werden. Dieses breite Programm, aber auch die attraktiven Fazilitäten des Clubs, locken immer neue Mitglieder, jung wie alt, und inzwischen weit über die Grenzen New Yorks hinaus, wodurch der Club beständig wächst und ihm Nachwuchsprobleme fremd sind. Und das, obwohl für eine Mitgliedschaft diverse Hürden überwunden werden müssen. Die Begeisterung fürs Segeln, anhand einer aktuellen oder vergangenen Bootseignerschaft nachzuweisen, ist zwingende Voraussetzung für eine Membership. Und nur mit entsprechenden Referenzen kann eine Berufung in den Club stattfinden. Ein gewisses Budget wird ohnehin unterstellt, denn der Großteil der Regatten wird aus eigenen Mitteln finanziert. Die Höhe konkretisiert J.Pierpont Morgan, Commodore des New York Yacht Clubs (NYYC) von 1897 – 99, mit dem zeitlosen Statement: „Wenn Du fragen musst was es kostet, kannst Du es Dir nicht leisten.“ Und die Mitglieder wissen das Besondere und den Status der Clubzugehörigkeit zu schätzen, ebenso wie die Exklusivität und Vielfalt der clubeigenen Fazilitäten, egal ob der überwältigende Modell-Raum im „Clubhouse at sea“ in der 44.Strasse in New York oder die Hafenanlagen des New York Yacht Clubs Harbour Court in Newport/Rhode Island, die dem Club seit 1987 zur Verfügung stehen. Harbour Court war das Ende der sogenannten Stations, 11 angemietete Docks entlang der Ostküste, die lange Jahre die fehlende eigene Hafenanbindung mit Wasserzugang des Clubs ersetzten. Die berühmteste war „Station 10“, ein kleines gotisches Häuschen ganz im „Gingerbread-Stil“ der Zeit, das J.C.Stevens 1845 als erstes Clubhaus spendete. Nach 23 Jahren Service auf New Yorker Boden zog „Station 10“ zunächst nach Glen Cove auf Long Island, später nach Mystic Seaport und heute ist das erste Clubhaus ebenfalls in Harbour Court, Newport zu finden.
New York gründete nach Boston und Detroit den dritten Yachtclub der Vereinigten Staaten, in der Bedeutung für den amerikanischen Yachtsport, insbesondere den Regattasport, steht er allerdings an erster Stelle. Um den Sport zu fördern, hat der Club schon immer eigene Boote resp. Bootsklassen, ein eigenes Club-Boot, entwickelt. Seiner Initiative sind bereits 9 verschiedene One-Design-Klassen seit 1900 zu verdanken. Der legendäre Yachtdesigner Captain Nathanael Herreshoff zeichnete in 1896 die populäre Newport 30 Klasse, der weitere Typen, wie die NYYC 70-er, NY 57-er, NY 50-er, NY 40-er und viele andere von erfolgreichen Yachtdesignern folgten. Die letzte Kreation, die NYYC 42 oder Club SWAN 42 außerhalb des Clubs, ist wohl die bislang Erfolgreichste. Im Herbst 2004 startete der Club erste Überlegungen zu einer neuen „Corinthian“ One-Design-Klasse, was Segeln reiner Amateure gegeneinander bedeutet. Die Ausschreibung gewann Nautors Swan aus Finnland, gemeinsam mit dem Design-büro Frers. Ein Team mit Vertretern des NYYC´s, Nautors Swan und Designer German Frers Jr. kreierte einen Cruiser-Racer, ganz nach den anspruchsvollen Vorstellungen des Clubs: ausgezeichnete Segeleigenschaften, Cruising Komfort, beste Qualität, makellose Fertigung, ansprechende Ästhetik und ein solider Investmentwert. Der Kompromiss aus guten Cruising-Eigenschaften und einem schnellen, stabilen und seetüchtigen Rumpf ist so gut gelungen, dass auf Anhieb 35 Boote nachgefragt wurden, 25 davon vom NYYC selbst. Mani Frers schreibt dies dem guten Preis-Leistungsverhältnis der neuen Einheits-Swan zu, deren Basispreis (ohne Segel und Elektronik) sich auf 411.000 Euro beläuft und die auch kommenden Generationen noch Freude machen soll. Die Generalprobe hatte die NYYC 42 während der Acura Key West Race Week 2007, wo Makoto Uematsu, ein guter Freund und Mitglied des Clubs aus Tokio auf seiner „Esmeralda“ (NYYC 42, # 2), mit einem ersten Platz beeindruckend demonstrieren konnte, wie leicht, schnell und sicher und mit wie viel Spaß sich das Boot segeln lässt. Die NYYC 42 ist zwar vom NYYC für seine Mitglieder konzipiert worden, sie soll aber weltweit in den führenden Yachtclubs etabliert werden, um die Regatten mit einem breiten Teilnehmerfeld spannender zu gestalten. Schon dieses Jahr sollen im Heimathafen des NYYC´s in Newport die ersten nationalen NYYC 42 Meisterschaften ausgetragen werden, mit bereits 20 Booten an der Startlinie.
Copyright Text Heike Schwab - NZZ - Stilbeiliage 'Z' Mai 2007



