SWISSBOATYACHTING (Schweiz - monatl. - Segelpresse)
GRENZENLOSES SEGEL-MEKKA
Dubai Match Race Challenge 2006
Dubai – die Metropole der Superlative im Nahen Osten ist geprägt von Gegensätzen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Keine schlechte Kulisse für die Match-Race-Premiere der brandneuen und heissen RC44.
Ein bisschen Märchen aus 1001 Nacht in den Gewürz- und Gold-souks ( Souk = Markt) der Altstadt gehört gerade so zum Alltag der multinationalen Einwohner wie die futuristischen Wolkenkratzer modernster Architektur, die überall in den Himmel wachsen. Ein Magnet, nicht nur für Touristen und Abenteurer, sondern auch für Investoren und Finanzenthusiasten. Der Öl-boom ist schon lange nicht mehr das Rückgrat der Vereinigten Arabischen Emirate (ca. 10 % der heutigen Landeseinnahmen stammen aus Ölverkäufen), vielmehr zieht das Land mit Steuerfreiheit und ehrgeizigen Projekten immer mehr Interessierte langfristig an und scheint regelrecht zu explodieren. Nur das Größte, Höchste und Beste findet Gefallen.
Auch hinter dem Dubai International Marine Club, ca. 20 km südwestlich von Downtown, an den Jumeirah Beaches formen unzählige neue Luxus-Tower eine beeindruckende Skyline. Und in den Gewässern vor der Marina entsteht das Ferienparadies „The Palm Jumeirah“, eine von zwei künstlichen Inseln, palmenförmig ins Meer gebaut, die schon heute als das 8.te Weltwunder bezeichnet werden und Dubai weitere Strände und Luxushotels für die vielen Besucher bieten soll.
Match-Race-Premiere
Vor dieser Kulisse richtet der Dubai International Marine Club die größte und bedeutendste Bootsmesse der Region aus, die Dubai International Boat Show 2006, und nutzt den Anlass, um zusammen mit V1 Advanced Composite Technologies ein weiteres Highlight zu präsentieren: Die Dubai Match Race Challenge 2006, das Match-Debüt der Russell Coutts 44 (RC44).
Die RC44 ist eine 44-Fuss-Leichtdisplacement-Rennyacht, eine Schöpfung des dreifachen America´s Cup Siegers Russell Coutts selbst und des Bootsdesigner Andrej Justin, die definitiv von einem „Racer“ für „Racer“ gemacht worden ist. Die Erfahrungen aus vielen Jahren IACC segeln und anderen internationalen Regatten auf hohem Niveau sind in die Konstruktion eingeflossen. Alles ist auf Schnelligkeit und einfache Handhabung getrimmt. Das offene Cockpit auf das Wesentliche reduziert, sodass 5 – 7 Mann das Boot gut segeln können. Schnell auf Vorwindkurs und kraftvoll hoch am Wind sollte das Carbon-Boot sein, auch bei Leichtwindbedingungen, um die gewünschten Anforderungen ebenfalls in Hafen – und Küstengewässern, Austragungsort zahlreicher Regatten, zu erfüllen.
In Dubai zeigt die RC44 zum ersten Mal unter Wettkampfbedingungen ihre hervorragenden Segeleigenschaften. Zwei Teams treten gegeneinander an: Weltklasse-Segler Russell Coutts mit Julien di Biase, Stipe Vitaljic, Massimo Sirena, Chresten Plinius und Peter Poulsen; gegen seinen langjährigen Mitsegler, den dänischen Star Jes Gram-Hansen mit Rasmus Kostner, Chris Dougall, Alberto Barovier, Michele Paoletti and Vasco Vascotto, alles Team-Mitglieder des italienischen America´s Cup Herausforderers Mascalzone Latino Capitalia. Eine hochkarätige Besetzung, die spannende Matches verspricht.
Erwartungen erfüllt
Schon im Training bei leichtem Wind demonstriert das Boot, wofür es gebaut wurde: Regatta-sport par excellence. Schnell, wendig und eine Augenweide, wenn es über das Wasser gleitet.
Bei 8-10 Knoten wird es dann ernst und das erste 5-Minuten Signal für die RC44 ertönt. Die Boote umkreisen sich wild in der Startbox, kommen sich verdächtig nahe und halten die Zuschauer in Atem. Die Rennstrecke liegt direkt vor den Stränden des Meridien Mina Seyahi Beach Resort und der Mole des Dubai International Marine Club und gewährt freien Blick für das fachkundige Publikum. Dicht an dicht kreuzen die Boote zur Luv-boje, die Segler arbeiten hart an Bord, auf dem Vorwindkurs geraten beide Teams dicht an den Strand. Jes Gram-Hansen schenkt seinem „ehemaligen“ Skipper Coutts keinen Millimeter und die Freundschaft weicht, zumindest für die Dauer des Matches, dem Wettkampf.
Neu im Format der one design class RC44 sind die Schiedsrichter an Bord. Sie können das Geschehen so viel unmittelbarer beobachten, schneller reagieren und benötigen kein extra Boot mehr. Eine Tatsache die alle Beteiligten begrüßen. Nach 3 x 20 Min Racing endet der erste Tag der Dubai Match Race Challenge 2006 mit 2-1 für Coutts vs Gram-Hansen und einer Wettervorschau, die 25 Knoten und damit Spannung pur für den nächsten Tag prognostiziert.
Ein unerwarteter Sturm mit 35 Knoten und Spitzen bis 40 Knoten zwingt Segler und Zuschauer allerdings am zweiten Tag zu Warten, da diese Bedingungen selbst für die RC44 zuviel sind. Insbesondere da die Rennstrecke bei stärkerem Wind zu kurz werden könnte und den Strand gefährlich nahe bringt. Schon droht die Absage der 6 für heute angesetzten Rennen, als ca. 1 Std vor Dunkelheit der Wind plötzlich drastisch nachlässt und den Start doch noch ermöglicht. In wenigen Minuten sind die Boote an der Strecke und „jagen“ sich durch die Startbox, die Schnelligkeit und Wendigkeit ist beeindruckend. Jes Gram-Hansen gelingt es, nach mehreren Führungswechseln, das erste Match für sich zu entscheiden. Beim 2.ten Start baut sich der Wind wieder etwas auf und das Katz und Maus Spiel in der Box wird noch dramatischer. Plötzlich hängt Gram-Hansen mit dem Kiel im Sand fest, kommt aber wieder frei und kann den Start fortsetzen. Coutts ist an der Lee-boje in Führung als der unglückliche Gram-Hansen wegen Problemen mit dem jib aufgeben muss.
Die Dämmerung ist der Dunkelheit bereits gewichen, wie der Sieger des Dubai Match Race Challenge 2006, Russell Coutts (3-2), die Ziellinie kreuzt und die Boote in den Lichtkegeln zahlreicher Schweinwerfer an den pompösen Yachten der Boat Show vorbei, zurück in den Hafen fahren. Eine imponierende Szenerie, die den Gedanken zum Match Racen bei Nacht schürt… in Dubai ist schliesslich nichts unmöglich!
Perfekter Einstand
Die RC44 hat ihr Debüt mit bravour bestanden. Eine sportliche Rennyacht, die der Crew einiges abverlangt und nur mit gutem Team-work zu Topleistungen zu bringen ist, vor allem aber eines bietet: jede Menge Segelspaß auf hohem Niveau. Darin sind die Teams einer Meinung.
Und auch die Zuschauer sind auf Ihre Kosten gekommen und konnten aus nächster Nähe von Strand und Mole aus, den atemberaubenden Zweikampf der Kontrahenten Coutts – Gram-Hansen verfolgen.
Die Dubai Match Race Challenge 2006 ist der Startschuss einer Reihe von Events, die Dubai ins Rampenlicht der internationalen Match Race Szene rückt und im März 2007 in der neuen Weltmeisterschaft der RC44 Klasse einen weiteren Höhepunkt findet.
Die Organisatoren, der Dubai International Marine Club zusammen mit V1 Advanced Composite Technologies, haben, ganz dem Stil Dubai´s entsprechend, ein klares Ziel vor Augen: die Dubai Marina als führenden Standort im weltweiten Match Racing zu etablieren. Die Voraussetzungen sind ideal: die Lage zwischen Europa und Asien, den Hauptschauplätzen dieser Events; die zuverlässigen Windbedingungen; eine Saison, die den Regattakalender Europas ideal ergänzt; die Nähe der „Zuschauer-Tribüne“ zur Rennstrecke und die vielfältigen, extravaganten Möglichkeiten des üppigen „social Life“ bis hin zum Skifahren mitten in der Wüste, versprechen jedes Event zu einem allumfassenden Erlebnis zu machen. Auch Gorän Petersson, Präsident des ISAF, bestätigt dies beim Besuch eines weiteren Match Race Events im Januar diesen Jahres.
Copyright Text / Fotos Heike Schwab – SWISSBOATYACHTING – April 2006



