Heike Schwab   |   Freelancer Photografie & Journalismus

Yachtrevue - (Österreich - monatl. - Segelpresse)

James Spithill: "I love to go fast"

Portrait. Heike Schwab plauderte in Valencia mit Luna-Rossa-Steuermann James Spithill, der als einer der begnadetsten Matchracer unserer Zeit gilt.

James Spithill, am Ruder für Luna Rossa Challenge 2007, ist der jüngste Steuermann im America´s Cup. Mit 19 Jahren in 2000 trat er diese Karriere in der insgesamt sehr jungen Kampagne Young Australia an und hält sie bis heute. Auf einer Insel im australischen Busch aufgewachsen, bekam er mit 5 Jahren einen Windsurfer zu Weihnachten, mit dem er fortan zur Schule fuhr. Später, mit 12 entdeckte er den Dinghy und den Segelsport, der seitdem sein Leben bestimmt. Eine Vorliebe für Fleet oder Match Race hat er nicht, es ist die Bandbreite, die Vielfalt des Segelns, die ihn fasziniert. Nur im Team muss es sein, er ist gern mit Freunden unterwegs, single handed zu segeln, kann er sich nicht als Spaß vorstellen. Unzählbare Regatten und Trophäen, mehrere Weltmeistertitel, z.B. Melges 24 und Match Race World Champion 2005, bestätigen das enorme Talent des aufgeweckten Profis, der seine Erfolge bescheiden seinen Kollegen zuschreibt: „ Ich habe einfach Glück gehabt und hatte immer gute Leute um mich herum, das ist wichtig, du musst deiner Crew vertrauen können.“ Deshalb ist für ihn die Tatsache, dass er der Jüngste in der Aftergard-Riege ist, auch unbedeutend. Mehr ins Gewicht fällt dagegen sein Hang zum Perfektionismus und zur Professionalität, die Leidenschaft für den sportlichen Wettkampf, den er auch in der Freizeit pflegt, die Vorliebe für Geschwindigkeit: „ I love to go fast“ und der eiserne Wille mit viel harter Arbeit seine Ziele zu erreichen und auf eine höhere Stufe zu bringen. Voller Respekt spricht er von seinen Idolen, Landsmann Peter Gilmour, dem Neuseeländer Russell Coutts oder Tiger Woods und Roger Federer, die genau das mit ihren Leistungen erreicht haben. Für ihn ist die Trophäe nicht das Wesentliche, sondern das Gefühl auf ein Ziel hinzuarbeiten und es beim Queren der Ziellinie erreicht zu haben. Dann wandern die Gedanken schon zum nächsten Start. Und so möchte er auch über die Lernphasen von Young Australia ( AUS 31) und One World (USA 67) in 2003, als er sein jetziges Team Luna Rossa im Semifinale besiegte, in seiner dritten America´s Cup Kampagne mit den Italienern von Prada auf die nächste Stufe der Sieger steigen. Wie gewohnt, hat er eine gute Crew um sich und ist von dem Boot ITA 94 überzeugt. Spithill schätzt, ohne die kleine und große Konkurrenz zu unterschätzen, Luna Rossa als ein Team ein, das realistische Siegeschancen hat: „Das Team ist gut vorbereitet, wir haben eine gute Arbeit gemacht und diesmal könnte es klappen.“ Alinghi ist für ihn nach wie vor der Maßstab, „aber zuerst müssen wir die Challenger-serie gewinnen.“ Und die Lücken zwischen den Teams werden immer kleiner. Gerade deshalb gibt es für den sommersprossigen Australier aktuell nur das eine Ziel: Den America´s Cup. Er würde sich gerne dem Problem eines neuen Defenders stellen: „Wo soll der nächste Cup stattfinden?“ Sollte ihm der Coup gelingen, die „Kanne“ im Juli triumphierend über den Kopf zu stemmen, geht es wohl ohne große Frage nach Italien. Was dem Australier aufgrund seiner Vorliebe für die italienische Küche und Lebensart sehr entgegen käme.


Copyright Text Heike Schwab – yachtrevue – Heft 5 / Mai 2007

 
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